Wie bestimmt der Materialeinsatz die Lebenszykluskosten?

Auswirkungen des Materialeinsatzes auf die Lebenszykluskosten

Im Rahmen eines laufenden Projekts zur Ermittlung der Lebenszykluskosten (LZK) kam seitens unseres Kundens die Frage auf, inwiefern sich der Materialeinsatz auf die Gesamtkosten auswirkt. Da diese Frage sicherlich auch für die Leserinnen und Leser unseres Blogs von Interesse ist, haben wir die Antwort anhand von zwei Praxisbeispielen exemplarisch aufbereitet.

Kostenvorteile durch geringere Nutzungskosten

Im ersten Beispiel wurden die Lebenszykluskosten von Industrieböden über den Zeitraum von 50 Jahren ermittelt.

Am Beispiel des Belag 3 (dunkelblau) zeigt sich, dass diese Belagsart zwar in der Errichtung die günstigste Variante ist, aber auf Grund der höheren Reinigungsintensität teurer in der Nutzung ist. Der anfängliche Kostenvorteil wird nach ca. 15 Jahren von der Variante Belag 1 (hellblau) und nach ca. 25 Jahren durch den Belag 2 (grün) aufgeholt. Die hohen Kostenunterschiede resultierten neben abweichenden Materialkosten für Reiniger insbesondere durch die Unterscheidung, ob die Böden auf Dauer maschinell gereinigt werden durften oder nicht.

Neben den Reinigungskosten wurden in der Berechnung auch weitere Kostenarten wie Instandhaltungskosten betrachtet. Diese waren allerdings nicht so kostenbeeinflussend wie die Reinigungskosten und wurden daher im Sinne der Übersichtlichkeit an dieser Stelle nicht näher betrachtet. In der Grafik bzw. in den ermittelten Gesamtkosten sind die weiteren Kostenarten enthalten.

Quelle: Projektbeispiel rotermund.ingenieure

Längere Lebensdauer bringt Ersparnis

Im zweiten Beispiel wurde zur Sicherung einer fundierten Entscheidung unter immobilienwirtschaftlichen Gesichtspunkten eine Szenariountersuchung von zwei unterschiedlichen Konzeptionen für die Fassadengestaltung untersucht.

Im folgenden Diagramm sind die Lebenszykluskosten über 50 Jahre abgebildet. Während sowohl bei den Investitionskosten als auch im Bereich der Nutzungskosten nur geringe Abweichungen festzustellen sind, werden die deutlich erhöhten Lebenszykluskosten der Variante 2 durch die im Betrachtungszeitraum anfallenden Sanierungskosten bestimmt. In Variante 1 entfallen diese aufgrund der längeren Lebensdauer der Fassadenkonzeption. Aus diesem Grund ist eine Variante mit einer längeren Lebensdauer an dieser Stelle zu bevorzugen.

Hinweis zum folgenden Diagramm: Der Restwert wurde in der vorliegenden Berechnung nicht betrachtet.

Auswirkung des Materialeinsatzes auf die Lebenszykluskosten, Beispiel Lebensdauer 1
Quelle: Projektbeispiel rotermund.ingenieure

Fazit: Optimierte Lebenszykluskosten

Für die vorangegangene Darstellung wurden bewusst zwei Beispiele gewählt, in der die jeweiligen Tendenzen recht eindeutig zu erkennen sind. In der Praxis sind die Kostenverschiebungen durch den Materialeinsatz häufig nicht ganz so eindeutig, da sich mehrere Parameter wie unterschiedliche Investitionskosten, Technologien, Vor- und Nachteile der jeweiligen Betrachtungseinheit, Belastbarkeiten, Lebensdauern und ähnliches vermischen. Aus diesem Grund lohnt eine Betrachtung der (Detail-)Lebenszykluskosten in Ihrem Bau- oder Sanierungsprojekt.

Unsere Handlungsempfehlungen:

Ermitteln Sie die Lebenszykluskosten (auch) für Materialien und Anlagen. Detail-LZK bieten häufig Aufschluss über direkte Kostenvorteile.

Betrachten Sie neben den reinen Investitionskosten stets die anfallenden Nutzungskosten wie beispielsweise Reinigungsleistungen.

Prüfen Sie den Einsatz von Materialien, Bauteilen oder Anlagen auf ihre Lebensdauer. Dabei sind längere Lebensdauern bei sonst identischen Voraussetzungen zu bevorzugen.

Auswirkungen der Flächennutzung auf den FM-Betrieb

Bereits in den letzten Jahren sind neue Büroraumkonzepte verstärkt diskutiert und in Neubauten oder Sanierungsprojekten umgesetzt worden. Durch Corona und dessen Auswirkungen auf den Gebäudebetrieb, u. a. die vermehrte Nutzung von Homeoffice-Angeboten und den damit verbundenen Leerstand bzw. Rückbau von Flächen, hat die Thematik an Brisanz gewonnen.

Im folgenden Video erläutert Prof. Uwe Rotermund die Auswirkung verschiedener Büroraumkonzepte auf den Facility Management Betrieb. Besonders hohes Augenmerk legt der Berater dabei auf die Flächenverhältnisse sowie Flächenausnutzung von Zellenbüros, Gruppenbüros, Kombibüros, Großraumbüros bzw. Open Space Flächen. Zudem werden Vor- und Nachteile der Bürotypen erläutert.

 

Dos and Don’ts im Gebäudebetrieb

Unter Beachtung der folgenden Punkte sind Sie aus Sicht des FM-Betriebs in der Flächennutzung gut aufgestellt:

  • Nutzen Sie vorhandene Fläche ideal aus.
  • Wenden Sie bevorzugt flexible Konzepte.
  • Setzen Sie langlebiger Materialien und Bauteile ein.
  • Vermeiden Sie fehlendes Tageslicht.
  • Vermeiden Sie hohe Aufwände für eine Klimatisierung.
  • Vermeiden Sie erhöhte Anforderungen an den Brandschutz.

Eine Detaillierung der oben genannten Punkte finden Sie direkt im Video. Möchten Sie das Thema vertiefen oder haben Sie Rückfragen zu Flächen oder dem Betrieb im Facility Management? Dann kontaktieren Sie uns gerne oder informieren Sie sich auf unserer Website unter www.rotermundingenieure.de